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Mit zunehmendem Alter verändern sich Körper und Geist. So kann sich beispielsweise durch eine Demenz die Wahrnehmung wandeln: Menschen mit Demenz finden sich im Verlauf der Erkrankung immer schlechter zurecht und ihr Blick auf die Welt wird ein anderer. Frau Dr. Birgit Dietz hat in ihrem zweiten Beitrag erläutert, wie Menschen mit Demenz durch eine speziell auf ihre Bedürfnisse angepasste Gestaltung des Lebens- und Wohnumfeldes in ihrem Alltag unterstützt werden können.

Dr. Birgit Dietz

Dr. Birgit Dietz ist Architektin und Leiterin des Bayerischen Instituts für alters- und demenzsensible Architektur in Bamberg. Sie gab uns in den beiden letzten Webinaren des Jahres 2020 einen Einblick in ihr Fachgebiet. Dabei befasste sich der erste Beitrag unter dem Titel „Planen für alle Sinne“ mit alterssensibler Architektur. Der zweite Beitrag setzte den Fokus auf demenzsensible Architektur als unterstützende Gestaltung des Lebens- und Wohnumfeldes von Menschen mit Demenz.

Weitere Informationen und die Kontaktdaten von Dr. Birgit Dietz finden Sie auf der Webseite des Bayerischen Instituts für alters- und demenzsensible Architektur in Bamberg.

Fragen der Teilnehmer*innen und Antworten von Dr. Birgit Dietz:

Liebe Frau Dr. Dietz, ich habe auch schon Ihr Buch gelesen, weil ich eine Tagespflege plane. Dort werden die Räume nach Osten ausgerichtet sein und sind deshalb nicht so hell. Wäre es dann in Ordnung, einen Boden mit Lichtreflexionsgrad (LRV) von 30 zu nehmen? Ich befürchte, dass der Boden sonst zu dunkel wirkt und die Räume nicht mehr hell und freundlich erscheinen.

Ja, ein Lichtreflexionsgrad (LRV) von 30 reicht sicher. Es kommt natürlich auch auf die anderen Parameter an – der Boden sollte, um ein Gefühl von sicherem Stand zu vermitteln, die dunklere Fläche im Raum sein und natürlich unter anderem nicht spiegeln. Wichtig ist, dass immer noch die Möglichkeit besteht, die Leuchtdichte-Kaskade zu bauen. Das heißt, die Wand sollte nochmal ein Stück heller sein als der Boden. Die Decke sollte die hellste Fläche im Raum sein. Wenn Sie denken, dass diese Farbigkeit dann vielleicht zu nah beieinander liegt, dann brauchen sie noch mehr Kontrast. Dies ist wichtig, damit man zum Beispiel, wenn man im Bett liegt, gut spürt, wo die Wand in die Decke übergeht und sozusagen die Raumgrenze spürt. Um die Dreidimensionalität des Raumes gut erlebbar und erfahrbar zu machen, kann aber bspw. auch mit einem feinen Streifen oben oder mit einer dunkleren Fußleiste nachgebessert werden.

Hintergrund ist hierbei auch, dass die Menschen bei einer guten Begrenzung des Raumes besser abschätzen können, ob zum Beispiel das Aufstehen vom Stuhl und der Gang zur Toilette alleine bewältigt werden kann oder ob Hilfestellung benötigt wird.

Auf was sollte ich während der Planung der Tagespflege bei der Auswahl von Bildern achten (Motiv, Farben, Größe)?

Bei der Dekoration gibt es natürlich ein paar Grundsätze. Es kommt meiner Erfahrung nach sehr gut an, wenn die Bilder relativ realistische Abbildungen zeigen, egal ob es Fotos oder Gemälde sind. Die abgebildeten Dinge sollten erkannt werden können. So kann man leichter darüber ins Gespräch kommen. Außerdem kann man sich an den Bildern im Raum orientieren. Nach dem Motto: „Diesen Raum kenne ich, das Bild mit der Kuh habe ich schon einmal gesehen“. Aber die Bilder sollten unseres Erachtens und unserer Erfahrung nach nicht in Form einer Foto-Tapete angebracht sein – sprich: die Bilder sollten nicht so groß sein, dass eine ganze Wand damit bedeckt ist. Ansonsten wird der Eindruck vermittelt, man befände sich in einer anderen Welt. Hierbei gibt es ja immer die Problematik, dass die Augen etwas sehen, was die anderen Sinne nicht melden. So kann schnell das Gefühl aufkommen: „Irgendetwas stimmt hier nicht“. Die Nase riecht womöglich Putzmittel, die Backe spürt keinen Wind, die Hände können die Kuh nicht greifen, weil es eigentlich eine flache Wand ist. Es muss also ganz explizit darauf geachtet werden, dass das Bild als solches erkannt wird. Es ist gut, wenn das Bild einen Rahmen hat und eben naturalistisch ist, weil es einfach gut merkbar ist, und es kann sehr gerne auch kräftig-farbig sein.

Mittwoch, 02.12.2020, 11.00-11.45 Uhr

Kristina Holm

Wissenschaftliche Mitarbeiterin M. Sc.

Moderation

Anna Kirchner

Wissenschaftliche Mitarbeiterin M. Sc.

Betreuung Chatroom & Fragen

Hier finden Sie den Link zum ersten Teil: Alterssensible Architektur – Planen für alle Sinne

Mit der Webinar-Reihe „Science Watch LIVE“ bieten wir einen zusätzlichen Service zu unserem monatlichen Newsletter digiDEM Bayern Science Watch, in dem wir wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Demenzforschung bereitstellen.  

Vor dem Hintergrund massenhaft verbreiteter Halbwahrheiten und Fake News, aktuell zum Beispiel über das neue Corona-Virus, ist gerade jetzt evidenzbasierte Wissenschaft gefragt. Es ist wichtiger denn je, wissenschaftliche Erkenntnisse so zu vermitteln, dass sie für die Gesellschaft verständlich sind und ein Austausch darüber gefördert wird. Dazu möchten wir als digiDEM Bayern-Projektteam beitragen, jetzt auch mit digiDEM Bayern Science Wach LIVE.

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