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Sonderausgabe:

Aktuelle Empfehlungen der Lancet Commission 2024 zur Prävention und Versorgung von Demenzerkrankungen


Titelbild digiDEM Bayern
Liebe Leserin, lieber Leser,

die Lancet Commission on dementia prevention, intervention, and care besteht aus 27 weltweiten Demenzexpertinnen und -experten. Bereits 2020 hatte die Kommission zwölf Risikofaktoren für Demenz identifiziert, die mit 40 % aller Demenzfälle in Zusammenhang stehen: Niedriges Bildungsniveau, Hörverlust, Bluthochdruck, Rauchen, Adipositas, Depression, Bewegungsmangel, Diabetes, übermäßiger Alkoholkonsum, Hirnverletzungen, Luftverschmutzung sowie soziale Isolation.

Nach vier Jahren intensiver Arbeit und unter Sichtung und Qualitätsbewertung der gesamten internationalen Forschungsliteratur hat die Lancet Kommission kürzlich Ihre neuesten und weltweit beachteten Empfehlungen veröffentlicht.

Das ist neu:

1. Die Lancet Commission benennt zwei neue Risikofaktoren für Demenz
Sehverlust und ein hoher Spiegel von Low-Density-Lipoprotein (LDL) sind zwei neue Risikofaktoren, die zur Entwicklung einer Demenz beitragen können.
Die beiden neuen Risikofaktoren für Demenz, die die Kommission in ihren aktuellen Report mit aufgenommen hat, sind mit 9 % aller Demenzfälle assoziiert.
Davon fallen geschätzt 7 % auf ein erhöhtes LDL-Cholesterin ab einem Alter von rund 40 Jahren und 2 % auf einen unbehandelten Sehverlust im späteren Leben.

Würde man die 14 Risikofaktoren bereits in der Kindheit angehen, so ließe sich fast die Hälfte der Demenzfälle verhindern oder verzögern, schreiben die Forschenden.

2. Die Lancet Commission äußert sich kritisch gegenüber den neuen, auf den Markt drängenden Amyloid-Antikörpern (Lecanemab und Donanemab)
Wir haben für Sie hier die wesentlichen Aussagen der Lancet Kommission zusammengestellt:
  • Sehr geringe klinische Wirksamkeit
  • Anwendung in Studie bei meist leichten Fällen von Gedächtnisbeeinträchtigung
  • Bemerkenswert hohe Rate an Nebenwirkungen (Hirnblutungen, Hirnschwellungen)
  • Erforderliche Zusatzdiagnostik und Kosten als Herausforderung für die Gesundheitssysteme
  • Langzeit-Nachbeobachtung (Monitoring) mit Bildgebung der Patientinnen und Patienten mit verordneten Amyloid-Antikörper dringend geboten.
Hier lesen Sie den Originaltext:

There is progress in and hope for disease-modifying treatments for Alzheimer’s disease, with some trials of amyloid-β-targeting antibodies showing modest efficacy in reducing deterioration after 18 months of treatment.
However, effects are small and drugs have been trialled in people with mild disease and people with few other illnesses. These treatments have been licensed in some countries but have notable side-effects, with few data about long-term effects. The expense of these treatments and the precautions that must be taken, which have resource implications for staff, scanning, and specialist blood testing, could limit their use and be challenging for health systems.
We recommend that full information is shared broadly about the unknown long-term effects, the absence of data about the effects in people with multimorbidity, and the scale of efficacy and side-effects, particularly for APOE ε4 genotype carriers. We recommend that people on amyloid-β-targeting antibodies are carefully monitored.

Hier der Link zur Meldung.

Herzliche Grüße
Ihr digiDEM Bayern-Team
Aufruf zur Studienteilnahme:
Das Demenz-Forschungsprojekt digiDEM Bayern zielt darauf ab, die Lebensbedingungen von Menschen mit Gedächtnisbeeinträchtigungen oder Demenz und ihren Angehörigen zu verbessern. Dafür suchen wir weiterhin Teilnehmende in ganz Bayern:
  • Forschungspartner: Als Forschungspartner befragen Sie Betroffene im Verlauf von drei Jahren zu ihrer Versorgungssituation. In Frage kommen zum Beispiel Beratungsstellen, Fachstellen für pflegende Angehörige, Arztpraxen oder Gedächtnisambulanzen. Sie können die Befragungen aber auch als Einzel-Person durchführen. Weitere Informationen finden Sie hier.
  • Betroffene: Sie leiden unter Gedächtnisproblemen oder bemerken dies verstärkt bei einem Angehörigen? In persönlich geführten Befragungen haben Sie die Möglichkeit, Ihre Situation zu schildern. Tragen Sie aktiv dazu bei, die Versorgungssituation nachhaltig zu verbessern. Weitere Informationen gibt es hier.

Über digiDEM Bayern

Das Forschungsprojekt ist eine Kooperation von:
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